So, heute habe ich endlich wieder Zeit gefunden, einen Blogartikel zu schreiben. Wenn ich ehrlich bin, weiß ich gerade gar nicht, wo ich anfangen soll, denn in den letzten zwei Monaten hat sich unglaublich viel getan.
Ich arbeite jetzt auch in meiner eigenen Praxis und biete dort psychosoziale Beratung sowie Seelsorge an. Das war nicht nur ein großer Schritt, sondern auch ein Traum, der in Erfüllung gegangen ist.
Im September werde ich außerdem einen Online-Stärkungstag für Frauen anbieten. Darauf freue ich mich sehr. Ich habe mich bewusst für ein Online-Format entschieden, weil ich dieses Angebot möglichst vielen Frauen zugänglich machen möchte – unabhängig vom Wohnort. Auch weil mir bewusst ist, dass es für viele Frauen gar nicht so einfach ist, sich bewusst einen Tag Auszeit zu nehmen.
Was sichtbar wird
Damit komme ich auch zu dem Interview von Benjamin Karl. Habt ihr das gesehen?
Ich musste danach lange nachdenken. Nicht nur über seine Aussagen selbst, sondern über das, was sie wieder sichtbar machen.
Solange es noch als selbstverständlich gilt, dass Frauen ihre eigenen Wünsche, Ziele und Bedürfnisse über Jahre oder sogar Jahrzehnte hinten anstellen, damit der Alltag funktioniert, damit Kinder versorgt sind und damit der Mann beruflich wachsen kann, sind wir von echter Gleichberechtigung noch weit entfernt.
Und oft beginnt das schleichend. Nicht mit einem Verbot, sondern mit Erwartungen. Mit Rollenbildern. Mit unausgesprochenen Selbstverständlichkeiten.
Frauen organisieren, begleiten, verzichten, fangen auf, halten emotional und organisatorisch alles zusammen. Viele reduzieren ihre Arbeitszeit nicht, weil sie „einfach lieber zuhause sind“, sondern weil irgendjemand diese Care-Arbeit und mentale Verantwortung im Alltag übernehmen muss.
Wenn eine Frau dann irgendwann beginnt, wieder Raum für sich selbst zu wollen – für Freundschaften, Erholung, persönliche Entwicklung oder einfach ein paar Stunden nur für sich – wird das nicht selten als egoistisch, übertrieben oder problematisch dargestellt.
Allein das zeigt, wie tief gewisse Vorstellungen noch sitzen.
Echte Gleichberechtigung bedeutet nicht nur, dass Frauen theoretisch alles dürfen. Sie bedeutet auch, dass ihre Bedürfnisse, ihre Erschöpfung, ihre Freiheit und ihre Lebenszeit denselben Wert haben.
Wenn Belastung zum Alltag wird
Aber nicht nur das beschäftigt mich.
Mich beschäftigt auch, dass die Bundesregierung für 2026/2027 Maßnahmen beschlossen hat, die ausgerechnet jene Menschen besonders treffen, die ohnehin oft finanziell kämpfen – darunter Frauen und alleinerziehende Mütter.
Teilzeitarbeit wird zunehmend dargestellt, als wäre sie eine bequeme persönliche Entscheidung oder eine Art Luxus. Doch die Realität vieler Frauen sieht anders aus. Viele Frauen arbeiten Teilzeit, weil sie den Großteil der Care-Arbeit übernehmen – nicht aus Bequemlichkeit, sondern weil es oft keine realistische Alternative gibt.
Diese Arbeit bleibt meist unsichtbar und unbezahlt und hat langfristige Folgen: geringere Pensionen, finanzielle Abhängigkeiten und nun zusätzlich weniger Netto am Konto.
Dazu kommen weitere angedachte Kürzungen im Sozialbereich. Für mich zeigt das auch, wie schwer es offenbar ist, gesellschaftliche Lasten gerechter zu verteilen. Statt dort genauer hinzusehen, wo Macht, Vermögen und Einfluss gebündelt sind, wird oft bei jenen angesetzt, die ohnehin schon wenig Spielraum haben.
Wie leicht ist es, Menschen, die bereits kämpfen, ihre Not kleinzureden, und ihnen gleichzeitig noch mehr zu nehmen.
Und trotzdem glaube ich: Das ist nicht der letzte Satz dieser Geschichte.
Denn ich habe eine Hoffnung, die größer ist als politische Entscheidungen, größer als Zukunftsängste und größer als all die Sorgen, die manchmal laut werden. Dafür bin ich unglaublich dankbar.
Wie geht es dir mit solchen Nachrichten?
Vielleicht merkst du, dass sie Wut auslösen. Oder Angst. Vielleicht machen sie dich müde. Vielleicht kommt dieses Gefühl hoch, ständig kämpfen zu müssen – finanziell, organisatorisch, emotional.
Kleine Übung für zwischendurch
Wenn du merkst, dass dich Sorgen oder Zukunftsängste überrollen, habe ich eine kleine Übung für dich:
Stell dich locker hin oder setz dich aufrecht hin.
Winkle deine Arme leicht an und beginne nun, mit deinen Ellbogen langsame kreisende Bewegungen zu machen. Erst rechts, dann links. Danach kannst du beide Seiten abwechselnd bewegen oder kleine unterschiedliche Formen in die Luft zeichnen.
Lass die Bewegungen bewusst und ruhig werden. Atme dabei langsam weiter.
Solche koordinativen Bewegungen brauchen Aufmerksamkeit und Zusammenarbeit verschiedener Bereiche im Gehirn. Dadurch richtet sich der Fokus stärker auf die Bewegung und den gegenwärtigen Moment. Gedankenspiralen oder innere Anspannung können dadurch kurzfristig etwas in den Hintergrund treten.
Wenn du fertig bist, schließe für einen Moment die Augen.
Atme tief ein und doppelt so lange wieder aus. Vielleicht magst du sogar bewusst seufzen und alles für einen kurzen Moment loslassen.
Spüre dann nach:
Hat sich etwas verändert?
Fühlt sich etwas anders an?
In diesem Sinne wünsche ich dir eine gute und stärkende Zeit.
Und vielleicht sehen wir uns ja beim Stärkungstag im September. Darüber würde ich mich sehr freuen.

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