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Teilzeit bei Müttern: Lifestyle oder Systemversagen?

Titelbild mit Zitat aus dem Blogartikel "Teilzeit bei Müttern" von Stephanie Weis. Im Hintergrund ist eine müde Frau, die gähnt dargestellt.

Heute möchte ich mich einem weiteren wichtigen Thema widmen, das gerade in Deutschland – aber auch immer wieder in Österreich – von Politikern, Institutionen und anderen Akteuren aufgegriffen wird.

Um es greifbarer zu machen, dachte ich mir, ein persönlicher Zugang tut dem Ganzen gut.

Vorab eine kurze Einordnung zur Teilzeitarbeit von Müttern und zur Rolle von Care-Arbeit in Familien:

Teilzeitarbeit von Müttern: Warum so viele Frauen in Österreich in Teilzeit arbeiten

Teilzeit ist nicht entstanden, damit Menschen einen feineren Lifestyle leben oder ihre Work-Life-Balance optimieren können. Sie ist vor allem aus wirtschaftlichem Druck und arbeitsmarktpolitischen Entscheidungen heraus entstanden. Außerdem darf man nicht vergessen, wie angenehm es für viele Unternehmen ist, vor allem dort, wo monatliche Dienst- oder Einsatzpläne erstellt werden. Teilzeitkräfte lassen sich oft deutlich flexibler einsetzen als Vollzeitkräfte.

Heute arbeitet jede zweite Frau in Österreich in Teilzeit – vor allem Mütter mit Betreuungsverantwortung– aber nur ein sehr kleiner Teil der Männer.
Warum ist das wohl so?
Weil Frauen mehr Pause brauchen?
Weil sie besser auf ihre Work-Life-Balance achten?

Nein.
Sondern weil Frauen in den meisten Familien noch immer hauptverantwortlich für die Care-Arbeit sind.

Care-Arbeit und Mental Load: Warum Teilzeitarbeit für Mütter keine Entlastung ist

Was Care-Arbeit nicht ist:

Care-Arbeit ist nicht Kaffeehausbesuche und Gesichtsmasken auf der Terrasse mit einem Glas Sekt in der Hand.
Care-Arbeit umfasst alles rund um die Menschen, die zu einer Familie gehören. Und sie beinhaltet eine enorme – eine unfassbare Menge – an Mental Load.

 

Care-Arbeit ist:

Einkaufen gehen, Arztbesuche begleiten, Elternabende besuchen, Kinder vom Kindergarten abholen oder in die Schule fahren, Mahlzeiten vorkochen, Jausenbrote richten, bei der Körperpflege helfen, Einschlafbegleitung, Vorlesen.

Die Liste ließe sich seitenweise fortführen.

Und dann ist da noch der Mental Load:
Einkäufe müssen geplant werden, Termine koordiniert, Aufgaben abgesprochen – und im besten Fall geteilt.

Warum „im besten Fall“?

Darauf kommen wir später beim Thema Alleinerziehende zurück.

 

All das ist Arbeit.
Das hat nichts mit Entspannung oder Freizeit zu tun.

Mütter sind in vielen Familien die Familienmanagerinnen.
Väter dagegen – aus unterschiedlichen Gründen und manchmal auch ganz gerne – oft die ausführende Kraft.

Stellen wir uns einmal vor, jemand besucht eine Familie und das Haus ist schmutzig.
Wird diese Person zuerst denken:
Warum hat der Mann nicht geputzt?
Oder doch eher:
Warum hat die Mutter das nicht erledigt?

 

Mütter, die Teilzeit arbeiten, tragen also nicht nur die Verantwortung einer Erwerbsarbeit, sondern zusätzlich die Hauptlast der Familie.
Fair? Nein. Keineswegs.

Dass sie dann auch noch in der Pension mit deutlich weniger Geld auskommen müssen und häufig finanziell vom Partner abhängig sind – lassen wir an dieser Stelle nur kurz stehen.

Teilzeitarbeit wird so für viele Frauen zur sogenannten Teilzeitfalle – mit höherer Belastung, weniger Einkommen und deutlich geringerer Pension.

Teilzeitarbeitende Mütter haben damit nicht nur ein höheres Risiko für Burn-out oder Erschöpfungsdepressionen, sondern bezahlen oft auch mit finanzieller Unsicherheit und Abhängigkeit. Endergebnis: Im Alter ist jede 5. Frau armutsgefährdet.

 

Bin ich gegen Teilzeit?

Nein. Überhaupt nicht.

Die wirtschaftlichen Bedingungen haben sich in den letzten Jahrzehnten so verändert, dass die wenigsten Familien mit nur einem Einkommen auskommen. Gleichzeitig muss man ehrlich sagen: Unser Konsumverhalten ist auch nicht gerade bescheidener geworden.

Wenn eine Familie entscheidet, dass beide Eltern Vollzeit arbeiten – völlig okay.
Wenn eine Familie entscheidet, dass die Frau – statistisch gesehen oft auch freiwillig – den Großteil der Care-Arbeit übernimmt, ist das genauso okay.

Aber was nicht okay ist:
Mütter in Teilzeit so darzustellen, als würden sie nach dem Halbtagsjob in der Sonne liegen.

 

Lobbyarbeit & Realität

Ich habe ein großes Problem damit, dass verschiedene Institutionen Vollzeitarbeit für Mütter immer stärker vorantreiben, oft entgegen den Wünschen vieler Frauen.

Die meisten Mütter wollen sich um die Care-Arbeit kümmern.
Sie tun es gerne. Viele Mütter erleben diese Aufgabe nicht nur als wichtig, sondern als etwas, wozu sie sich innerlich berufen fühlen.

Doch statt zu überlegen, wie man diese gesellschaftlich enorm wichtige Arbeit ermöglicht und absichert – denken wir nur an Kinderbetreuung oder die Pflege alter Angehöriger – werden Frauen zunehmend in die Vollzeitarbeit gedrängt.

Das Problem dabei:
Das System und vor allem das Familiensystem haben sich nicht im gleichen Tempo mitverändert.

Die Care-Arbeit bleibt großteils trotzdem an den Frauen hängen, auch wenn beide Eltern Vollzeit arbeiten.

Das ist weder gerecht noch feministisch.

Alleinerziehende Mütter im Alltag: Wenn Teilzeit keine Wahl mehr ist

Und jetzt zum wichtigsten Punkt: 

Alleinerziehende Mütter haben oft keine Wahl zwischen Teilzeit und Vollzeit.
Sie haben auch keine Wahl beim Mental Load.

Sie tragen alles.

Sie leisten Arbeit, die eigentlich für zwei – wenn nicht für ein ganzes Dorf – gedacht ist.

Die Realität vieler Mütter – besonders Alleinerziehender – sieht jedoch so aus:

Nein – so sieht es leider nicht aus. Auch wenn das oft suggeriert wird. 

Hier ein realistisches Beispiel einer Mutter eines 11- und eines 13-jährigen Kindes.

Kurz: Ein Tag aus meinem Leben. 

 

Ja, so sieht ein Tag aus. 

Nicht zu vergessen, dass an manchen Tagen zusätzlich die Freizeitaktivitäten der Kinder dazukommen, zu denen sie gefahren werden müssen. An einem anderen Tag steht vielleicht noch ein Arzttermin an. Oder ich bin nicht nur in der Arbeit, sondern werde angerufen, weil ich ein krankes Kind von der Schule abholen muss.

Auch zeigt der Kalender nicht all die vielen anderen Dinge, die ganz selbstverständlich nebenbei erledigt werden. Neben dem Kochen werden Vokabeln abgefragt, neben dem Abwasch wird der nächste Tag gedanklich durchgegangen. Und während des Essens wird nicht nur nett geplaudert, sondern besprochen, was am nächsten Tag alles anfällt – oder kleine Konflikte in der Schule werden aufgearbeitet und emotional begleitet.

All das läuft „nebenher“. Multitasking nennt sich das. Mütter – und noch mehr Alleinerziehende – sind oft darauf angewiesen, mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen. Sonst würden sie gar nicht alles an einem Tag unterbringen, was notwendig ist.

Multitasking zu beherrschen mag eine Stärke sein. Wenn es jedoch zur dauerhaften Norm wird, ist es oft gesundheitlich problematisch.

 

Ich will hier nicht jammern. Ich will aufzeigen und aufschreien.

Denn ich lasse mich, und andere Mütter, nicht so hinstellen, als wäre meine Arbeitszeit Ausdruck eines gemütlichen Lifestyles oder gar von Faulheit – was indirekt oft mitschwingt.

Und selbst wenn ich Vollzeit arbeiten könnte:
Ich würde mich immer wieder für Teilzeit entscheiden.

Weil mir Zeit mit meinen Kindern wichtiger ist – ja, sogar wichtiger als eine höhere Pension.

Aber allein, dass ich, dass wir uns, zwischen finanzieller Sicherheit und Zeit mit unseren Kindern entscheiden müssen, ist eine gesellschaftliche, politische wie auch strukturelle Bankrotterklärung jedes Staates.

Hoffnung trotz Systemversagen

Der Text mag sich jetzt eher hoffnungslos lesen. Aber ich sage euch: Wir dürfen voller Hoffnung sein.

Denn während die Erwartungen der Welt – zuerst Teilzeit, dann wieder Vollzeit – sich ständig ändern, ist unser Gott immer derselbe.

Jesus ist für unsere Sünden gestorben. Und wenn wir an ihn glauben, sind wir Gottes Kinder.

Und Gottes Kinder dürfen sich seiner Versorgung sicher sein.

So wie Gott mich immer wieder auf wundersame Weise versorgt hat, vertraue ich ihm auch in Bezug auf meine Zukunft – und ja, auch auf meine Versorgung in der Pension.

Glaubst du an Gottes Versorgung?

 

„Es soll euch zuerst um Gottes Reich und Gottes Gerechtigkeit gehen,

dann wird euch das Übrige alles dazugegeben. Macht euch keine Sorgen um den nächsten Tag!

Der nächste Tag wird für sich selbst sorgen. Es genügt, dass jeder Tag seine eigene Last mit sich bringt.“

(Mt. 6,33 NGÜ)


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