Mein persönlicher Kampf zu Weihnachten
Wenn Freude und finanzielle Sorgen aufeinandertreffen
Ich kenne das Gefühl, zu Weihnachten kämpfen zu müssen. Einerseits die Vorfreude auf das Fest, den Duft von Keksen, die leuchtenden Augen der Kinder, die gemeinsame Zeit beim Adventsingen. Und andererseits der innere Druck, der schon Ende November stetig zu wachsen beginnt: Wie soll ich mir die heiß ersehnten Geschenke der Kinder leisten können?
Das Weihnachtsgeld ist oft schon im Vorhinein verplant – für Betriebskostenabrechnung, Autoservice oder andere Extrabelastungen. Im Kopf weiß ich: Weihnachten lebt nicht von Geschenken. Und ich bin überzeugt, dass auch Jesus diese konsumorientierte Ausuferung von Weihnachten nicht gutheißen würde. Und trotzdem lastet dieser gesellschaftliche Druck schwer.
Familienmitglieder möchten beschenkt werden, Einladungen zum Essen stehen im Raum, Adventmärkte locken. Und im Vergleich mit anderen Familien entsteht schnell der Eindruck: Ich kann nicht mithalten.
Und doch war es jedes Jahr die Gnade Gottes, dass es sich am Ende irgendwie ausgegangen ist. Auch die Herzen meiner Kinder haben es mir oft leicht gemacht: Sie wollten sich oft einfach überraschen lassen, ohne lange Wunschlisten dem Christkind vorzulegen.
Gesellschaftlicher Druck & Social Media
Weihnachten ohne Vergleich – warum weniger oft mehr ist
Der Druck beginnt schon bei den Kindern. In der Schule oder im Freundeskreis wird selbstverständlich über Wunschlisten gesprochen, die dann auch Punkt für Punkt erfüllt werden. Ich habe vor längerer Zeit für mich beschlossen, das nicht mehr mitzumachen.
Meine Kinder bekommen zu Weihnachten nur noch ein bis zwei Geschenke. Dafür wähle ich diese mit viel Bedacht aus. Dinge, die sie sich wirklich sehnlich wünschen und die ihnen lange Freude machen. Diese Entscheidung war nicht immer einfach. Aber anstatt Weihnachten mit einer Art Bestellung zu verwechseln, ist es mir wichtiger, den wahren Kern der Botschaft zu leben: Wir wurden bereits reich beschenkt – mit dem besten Geschenk, das man sich vorstellen kann.
Ein ähnlicher Punkt war für mich der Weihnachtsbaum. Wir kaufen schon lange keinen Tannenbaum mehr, obwohl ich den Duft liebe und auch das Bild einer dichten Nordmanntanne im Wohnzimmer wunderbar finde. Aber die Preise sind einfach horrend und belasten das Budget. Zudem kommt es mir einfach verrückt vor, so viel Geld für etwas auszugeben, das nach kurzer Zeit im Müll landet.
Stattdessen haben wir uns einen Holzbaum gekauft, den man zusammenstecken und jedes Jahr wieder aufstellend kann. Seit Anfang an bauen ihn meine Kinder selbstständig auf und behängen ihn. Dabei staunen wir gemeinsam über den bunten Behang und erinnern uns daran, wie sie diese kleinen Schätze voller Stolz aus dem Kindergarten oder aus der Schule mitgebracht haben. Jeder Anhänger erzählt eine Geschichte, jeder Stern und jede Figur trägt eine Erinnerung. So ist unser Baum zwar weit entfernt von einem „klassischen Christbaum“, aber er ist ein Baum voller Leben und Geschichte.
Und doch erinnere ich mich an den Blick einer Bekannten, die traurig meinte: „Ihr habt ja gar keinen richtigen Christbaum.“
Als wären Kinder arm, wenn sie keinen Tannenbaum im Wohnzimmer stehen hätten?! Genau daran spürt man, wie stark die gesellschaftlichen Vorstellungen sind – verstärkt durch Social Media, wo die Bäume wie aus amerikanischen Weihnachtsfilmen glänzen: perfekt gestylt, makellos, scheinbar das Ideal. Unser Baum passt scheinbar nicht hinein in die weltliche, verquere Vorstellung von Weihnachten. Aber er passt gerade deshalb.
Zahlen & Fakten: Wer Weihnachten mit Geldnöten verbringt
Weihnachten in Armut – was Zahlen über Familienwirklichkeit zeigen
Bei aller Perfektion, die uns rund um Weihnachten begegnet, vergessen wir oft eines: Weihnachten ist nicht für jeden perfekt. Für viele bedeutet diese Zeit weniger Glanz und mehr Sorgen. Weniger „Wunschlisten erfüllen“ und mehr „Wie geht sich das alles aus?“.
Und das zeigen auch die Zahlen: Viele Familien in Österreich, Deutschland und in der ganzen EU erleben Weihnachten mit finanziellen Belastungen.
- Österreich: 14,3 % der Bevölkerung sind armutsgefährdet – das sind rund 1,3 Millionen Menschen. Bei Alleinerziehenden ist es fast jede zweite Mutter (41–48 %).
(Zahlen-Überblick zu Armut und Verteilung in Österreich - Armutskonferenz)
Armutsgefährdet bedeutet in Österreich, wenn das monatliche Einkommen unter 1.661 Euro netto liegt – für einen Einpersonenhaushalt. Ganz ehrlich: Wie viele Mütter kennt ihr, deren Einkommen über diesem liegen?
Die durchschnittliche Miete für eine 3-Zimmer-Wohnung beträgt derzeit rund 792 Euro pro Monat inklusive Betriebskosten. Dazu kommen Strom, Heizung, Lebensmittel und nicht selten auch Kindergarten- oder Hortkosten, die je nach Bundesland bis zu 200 Euro betragen können.
(Wohnungsmieten im 4. Quartal 2024 um 4,2 % über Vorjahresniveau, Mietmarkt Österreich 2024: Mietpreise, Angebot und Nachfrage)
Wenn man diese Fixkosten einmal überschlägt, wird schnell klar: Für ausgefallene Adventskalender, teure Christbäume und große Geschenke kann am Ende kaum etwas über bleiben.
- Deutschland: 15,5 % gelten als armutsgefährdet. Bei Alleinerziehenden liegt die Quote ebenfalls bei über 40 %.
- EU-weit: Rund 21 % sind von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht.
- Und gleichzeitig:
- In Deutschland geben Menschen im Schnitt zwischen 307 € und 533 € pro Person für Weihnachtsgeschenke aus.
- Haushalte mit mehr als 6.000 € Monatseinkommen: Ø 1.077 €.
- Haushalte mit weniger als 2.000 € Einkommen: Ø 301 €.
Der Kontrast ist deutlich: Während manche überreich schenken, müssen andere jeden Euro umdrehen. Und auch wenn sich 301 € im ersten Moment nach viel anhören, sollten wir bedenken: Dieses Geld muss für die gesamte Familie reichen – für mehrere Kinder, vielleicht sogar noch für Eltern, Großeltern und Freunde. Wenn man diese Summe aufteilt, bleibt pro Person nur ein kleiner Betrag übrig. Dazu kommen noch die Fixkosten rund um Weihnachten – vom Adventskalender über besondere Mahlzeiten bis hin zu kleinen Extras, die man den Kindern ermöglichen möchte. Schnell wird klar: Der finanzielle Spielraum ist winzig.
Was Gemeinde tun kann
Wie Gemeinde zu Weihnachten Hoffnung schenkt
Weihnachten ist der Moment, wo Gemeinde zeigen kann: Du bist nicht allein.
Und doch möchte ich vor den praktischen Hilfen auf etwas anderes hinweisen: Gemeinde kann in dieser Zeit ein riesiger Segensspender sein. Denn Armut ist oft mit großer Scham verbunden. Die wenigsten Betroffenen würden direkt um Unterstützung bitten.
Ich erinnere mich an ein Erlebnis: Nach einem Gottesdienst drückte mir eine Glaubensschwester einfach so einen Umschlag mit 100 Euro in die Hand. Es war kurz vor Weihnachten und diese Geste hat mir so sehr geholfen. Nicht nur finanziell, sondern auch, weil ich gespürt habe: Da sieht mich jemand. Da trägt mich jemand mit.
Natürlich gibt es tolle Angebote, wie das Projekt „Hilfe, die ankommt“. Aber genauso können wir uns im Gottesdienst umschauen und uns vom Heiligen Geist leiten lassen: Vielleicht sitzt neben uns jemand, der gerade ganz konkret Unterstützung braucht, und wir können leise, liebevoll und diskret handeln.
Konkret kann das heißen:
- Gutscheine für Lebensmittel oder kleine Geschenke.
- Geschenkaktionen für Kinder, bei denen diskret unterstützt wird.
- Einladung zum Festessen oder zu einer Gemeinde-Weihnachtsfeier.
- Sachspenden oder Wichtelaktionen, die liebevoll und würdevoll gestaltet sind.
- Finanzielle Unterstützung über einen kleinen Weihnachtsfonds.
Wichtig ist dabei immer: Hilfe soll nicht beschämend wirken, sondern in Liebe und Würde geschehen.
Was du tun kannst, wenn es bei dir knapp ist
Weihnachten feiern mit wenig Geld
Besinne dich immer wieder darauf, worauf es wirklich ankommt und was du deinen Kindern mitgeben möchtest. Besinne dich auf die Wahrheit und lass dich von der
Lüge nicht vereinnahmen. Schreib es dir auf ein Post-it, mach dir eine Notiz am Handy:
Gott hat seinen Sohn gesandt – für dich, weil er dich so
sehr liebt. Das ist das Geschenk zu Weihnachten. Das ist der Grund, warum wir feiern. Und das ist das, was wir weitergeben wollen – unseren Kindern, unserer Familie, unseren Freunden und
Kollegen.
Wenn das Geld knapp ist, dann heißt das nicht, dass Weihnachten weniger wertvoll ist. Im Gegenteil: Gerade dann kann der Blick auf das Wesentliche tiefer und klarer werden. Ein paar Gedanken, die dir helfen können:
- Sprich ehrlich mit deinen Kindern. Sie spüren die Anspannung sowieso. Oft reicht ein einfaches: „Dieses Jahr gibt es weniger Geschenke, aber wir machen es uns dafür besonders schön.“ Kinder verstehen mehr, als wir glauben.
- Lass los, was andere denken. Weder die Nachbarin noch Social Media bestimmen, wie Weihnachten auszusehen hat. Dein Weihnachten darf anders sein!
- Gestalte kleine Freuden. Mach aus scheinbar „Schlechtem“ Gutes: Auch ohne viel Geld kannst du ein Segen für deine Kinder sein. Bei einer Tasse Kakao, beim Geschichtenlesen, beim gemeinsamen Singen. Gerade solche Momente prägen die Kindheit.
- Auch ältere Kinder dürfen lernen. Es ist wichtig, dass sie verstehen: Niemand muss sich finanziell ausschöpfen, um der weltlichen Vorstellung von Weihnachten zu genügen.
- Frage um Hilfe. Bei deiner Gemeinde, bei deiner Familie oder im Freundeskreis. Es ist kein Versagen, als alleinerziehende Mama zu Weihnachten finanziell zu kämpfen. Auch bei den Weihnachtsgeschenken kannst du Unterstützung bekommen – viele Gemeinden und Organisationen bieten konkrete Hilfe an, vielleicht kann du bei diesen Projekte wie Weihnachtspakete für armutsbetroffene Menschen nachfragen.
- Und das Wichtigste am Schluss: Halte dich an Gott fest! Er kennt deine Sorgen. Bitte ihn um Gelassenheit und Freude, auch wenn dein Budget nicht ausreicht.
Geschenksideen mit Herz, die wenig kosten
Kleine Geschenke, große Liebe – kreative Ideen mit Herz und Sinn
Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich liebe Geschenke, die von Herzen kommen. Keine großen Pakete, sondern kleine Aufmerksamkeiten, die zeigen: Du bist mir wichtig.
Hier ein paar meiner liebsten Ideen für Geschenke mit Herz und Sinn – kreativ, günstig und voller Liebe.
Zeit-Gutscheine – „Filmabend mit Popcorn“,
„Spaziergang im Schnee“,
„Plätzchenbacken“.
Erinnerungsbox – ein Glas voller Dankeszettel oder Bibelverse.
Fotogeschenke – selbstgebastelter Rahmen, Collage,
Album.
Alte Kerzen wiederverwenden – Kerzenreste einschmelzen, mit ein paar Tropfen Duftöl versehen und in alte Marmeladegläser gießen. Diese
können bemalt, verziert oder von den Kindern gestaltet werden – ein Geschenk voller Herz und Kreativität.
Handgeschriebene Briefe – ein Segenswort, ein „Das liebe ich an dir“.
Handgemachtes – Kekse, Marmelade, Bratäpfel im Glas.
Playlist oder Hörbuch – Musik, Geschichten oder selbst eingesprochene
Gute-Nacht-Gebete.
„Ein Jahr voller …“-Glas – 12 kleine Ideen für jeden Monat.
Verwöhn-Gutscheine – „Rückenmassage“,
„Abwasch übernehmen“,
„Ein extra Kapitel vorlesen“.
Segenskerze – eine Kerze mit Bibelvers gestalten.
Zurück zum Wesentlichen
Das wahre Geschenk von Weihnachten – Gottes Gnade in Jesus Christus
Am Ende all unserer Überlegungen – Geschenke, Adventkalender, Weihnachtsbäume und Budgetfragen – bleibt die wichtigste Botschaft: Gott hat seinen Sohn auf die Erde gesandt, weil er uns so sehr liebt.
Das Kind in der Krippe ist kein romantisches Symbol, sondern der Retter der Welt. Jesus Christus ist Mensch geworden, um uns zu zeigen, wie groß Gottes Liebe ist. Er kam in Armut zur Welt, nicht in Prunk und Glanz. Gerade deshalb versteht er unsere Sorgen, unsere Kämpfe und unsere Not.
Doch Jesus blieb nicht nur das Kind in der Krippe. Er lebte ein vollkommenes Leben ohne Sünde, und ging dann bewusst ans Kreuz. Er hat Qualen erlitten und dennoch diesen Weg gewählt, aus Liebe zu dir und mir. Dort am Kreuz hat er für unsere, für deine und meine Sünden bezahlt.
Am dritten Tag ist er auferstanden – der Tod konnte ihn nicht halten. Und so dürfen auch wir leben in der Gewissheit: Wer an ihn glaubt, hat Vergebung, neues Leben und eine ewige Hoffnung. Wer an ihn glaubt, hat ewiges Leben.
Das ist das wahre Geschenk von Weihnachten: Gott selbst streckt uns in Jesus Christus seine Hand entgegen. Was für ein Geschenk. Was für ein Gnadengeschenk.
Es liegt an uns, dieses Geschenk anzunehmen.
Broschüre - Alleinerziehende in der Gemeinde
„Alleinerziehende in der Gemeinde: Verstehen – begleiten – mittragen“.
Die Broschüre gibt Einblick in die Lebenswelt alleinerziehender gläubiger Mütter, zeigt Gemeinden und Weggefährten praktische Möglichkeiten zur Unterstützung auf und enthält zugleich ein eigenes Kapitel zur Ermutigung für alleinerziehende Frauen selbst.

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